Ortsgemeinde Hergenfeld

Auszug aus der Chronik

Abseits der großen Verkehrsstraßen, eine halbe Wegestunde vom Sitz der damaligen Amtsverwaltung Wallhausen entfernt, liegt im Schatten des herrlichen Soonwaldes das kleine Weindorf Hergenfeld. Seine fruchtigen und strahligen Weine tragen die charakteristischen Merkmale der Schieferböden des Hergenfelder Berges. Die 1000-Jahrfeier, die das Dorf Hergenfeld im Jahre 1969 beging, wäre eigentlich schon im Jahre 1963 fällig gewesen. Blättern Sie mit uns zurück in die Vergangenheit.

Durch die Zugehörigkeit des unteren Nahetales zur eisfreien mittleren Tundrenzone bot es den altsteinzeitlichen Jägern und Sammlern gute Lebensmöglichkeiten. Jäger waren es auch, die von dem lebten, was ihnen die Natur frei bot: von Wild, Beeren und anderen genießbaren Wildfrüchten. Durch Funde rauher Ouarzitfaustgeräte im Lindengrund bei Heddesheim wird die Besiedlung unseres Gebietes in der "Jüngeren Altsteinzeit" (75000 bis 10000 v. Chr.) bestätigt. Verschiedene Dokumente der nachfolgenden Kulturstufen, der Bronze- und Eisenzeit, beweisen eine zunehmende Besiedlung. Etwa seit 500 v. Chr. bilden die indogermanischen Kelten die Bevölkerung des Nahetales und seiner Seitentäler. Sie lebten in geordneten Gemeinschaften zusammen.

Frühe Grabanlagen aus diesen Zeiten in den Gemarkungen zwischen Wallhausen und Windesheim deuten auf keltische Ansiedlungen in unserer Heimat hin. Auch wurden frühgeschichtliche Funde der nachbronzezeitlichen Perioden von etwa 600 bis 200 Jahre v. Chr. bei Wallhausen gemacht.

Die Kelten wurden in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten von den Germanen unterwandert, und als die Römer im letzten Jahrhundert v. Chr. bei uns eintrafen, fanden sie eine keltisch-germanische Bevölkerung vor. Unsere Heimat wurde dem großen römischen Weltreich einverleibt. 300 Jahre lang prägte römischer Einfluß die heimische Kultur.

Als später die Römer von den Alemannen geschlagen wurden und die Alemannen nach Norden vordrangen, kam es zu Auseinandersetzungen mit den Franken, die vom Niederrhein vordringend den rheinischen Raum bereits erobert hatten. In der Schlacht bei Zülpich 486 wurden die Alemannen besiegt und mußten den nördlichen Teil ihres Landes, also auch unser Naheland, an die Franken abtreten. Damit herrschte in unserer Heimat der Frankenkönig Chlodwig. Seinem in der Schlacht gegebenen Versprechen getreu, ließ er sich taufen.

Die Nachfolger Chlodwigs waren Bischöfe und Fürsten. Diese teilten sich das Land untereinander auf. So machte Otto der Große eine Schenkung an das Kloster St. Alban in Mainz. Am 21. Juli 963 wurde beurkundet:

Der Königshof Hergiesfeld in der Grafschaft des Grafen Emicho im Nahegau geht durch Schenkung an das Kloster St. Alban von Mainz über.

Unterzeichnet ist die Urkunde vom Sohn Otto des Großen, König Otto II. Durch diese königliche Urkunde wissen wir den ursprünglichen und wirklichen Namen des Dorfes, der dann im Laufe der Jahrhunderte eine sovielfache Abwandlung erfuhr. Die Landeshoheit des Erzbischofs von Mainz wurde durch die Verleihung der Banngewalt an Erzbischof Willigis seitens des Kaisers Otto II. im Jahre 983 begründet.

Der Besitz der Mainzer Erzbischöfe im Nahgau liegt in mehreren Gruppen zerstreut. Zu einer diesen Gruppen gehört Gau-Algesheim und Bingen am Rhein, zu der in der Rheinprovinz der Binger Wald und die Lehen Dörrenbach, Schöneberg vor dem Wald und der Königshof Hergiesfeld.

Nun entstand um den Königshof eine Ansiedlung, die im Besitz eines Rittergeschlechtes von Schönenberg mit den drei silbernen Kreuzen im schwarzen Wappenschild war. Später waren die von Schöneburg bei Oberwesel Besitzer dieser Herrschaft.

Nach dem Tode des Grafen Emanuel Maximilian Wilhelm von Schömburg fiel das Lehen an das Erzstift Mainz zurück, und Kurfürst Anselm Franz verlieh es seiner Familie, die dafür 7000 Gulden entrichtet. Wieweit die Anfänge christlichen Lebens in Hergenfeld in die Vergangenheit zurückreichen, wird sich wohl kaum mehr erforschen lassen.

Nach den vorhandenen Unterlagen wurde die heutige Kapelle im Jahre 1863 errichtet. Der Taufstein ist vom Anfang des 17. Jahrhunderts. Das achteckige pokalförmige Becken mit flachen Bandornamenten, Resotten und Blattwerk verziert, ruht auf einem vierseitigen Fuß mit Muschelverzierung. Die Figur der Muttergottes mit Kind kommt aus dem 18. Jahrhundert. Das wertvollste Stück aus der Hergenfelder Kapelle, die spätgotische Altarpredella, befindet sich im Diozösanenmuseum in Trier. Sie ist eine gemalte Tafel mit den Brustbildern Christi und den 12 Apostel aus der Zeit um 1500, mittelrheinische Arbeit, verwandt mit dem Altar von 1506 in der Liebfrauenkirche zu Oberwesel. Es ist noch zu erwähnen, dass die Orgel in der örtlichen Kirche ein Instrument des ersten Orgelbauers Stumm ist. Diese Bauweise ist sehr klangvoll und in aller Welt bekannt.

Es ließe sich noch manches aus der Hergenfelder Dorfgeschichte anführen. Wir wollen aber hier die geschichtliche Schilderung abschließen und zum Beginn des zweiten Jahrtausend der Ortsgeschichte wünschen, dass in künftiger Zeit eine immerwährende und andauernde Aufwärtsentwicklung dem Weindorf Hergenfeld und seiner Bewohner beschieden sein möge.



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