News Archiv 2013

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08.10.2013   Bayerisches Frühstück am Dorfladen geriet zu einem kleinen Oktoberfest

Das bayerische Frühstück, das der gemeinnützige Verein Dorfladen auf die Beine gestellt hatte, entpuppte sich als ein zünftiges Oktoberfest mit allem was dazugehört. Die Besucher waren total begeistert. Unter den Klängen des örtlichen Orchestervereins „verunglückte“ der obligatorische Fassbieranstich durch den Vorsitzenden des Dorfladenvereins, Martin Theis. Dennoch gelang es, das Festbier aus dem Fass zu bringen. Gaudi pur. Ebenso beim Schuhplatteln und Bierkrugstemmen.Viel Applaus gab es auch für die fesche Tanzgruppe aus Argenschwang und die Bockenauer Dorfmusikanten, die dafür sorgten, dass das Stimmungsbarometer weiter anstieg. Gesangssolistin Eva Ender, die mit Uwe Neumann „Schön ist es auf der Welt zu sein“ anstimmte, wurde mit reichlich Beifall bedacht. Zahlreiche fleißige Helfer tischten den Gästen Weißwürste mit Brezeln, Rühreier mit Speck, Bratwürste sowie Schweinshaxe mit Püree und Sauerkraut auf. „Damit wir mit dem Dorfladen ein positives Ergebnis erzielen, müssen wir solche Feste stemmen“, teilte Theis mit. Dadurch werden auch Investitionen möglich.
Foto und Text: Dieter Ackermann, Öffentlicher Anzeiger vom 8. Oktober 2013

15.10.2013   Hergenfelder Dorfladen ist ein Erfolgsmodell

Konzept 500-Einwohner-Gemeinde ist Vorreiter und Vorbild für Orte im ganzen Land – Geschäft wirft kleinen Gewinn ab.

Eine Packung Toffifee kostet 2,49 Euro, im Regal warten Nudeln, Mehl, Müsli, Kaffee, Ketchup, Chips, Gemüse und Toilettenpapier auf ihre Käufer. Vor der Kasse preist die „Bild der Frau“ die neuen Trendfrisuren an, die „Bild“-Zeitung präsentiert die 500 reichsten Deutschen. Auch zwei Säcke Grillkohle sind noch zu haben, und natürlich frische Brötchen. Im Hergenfelder Dorfladen finden die Menschen vor allem Lebensmittel und Drogerieartikel für ihren täglichen Bedarf. Für einen kleinen Dorfladen ist das Angebot gut, die Preise sind moderat.

Der Hergenfelder Dorfladen ist ein Erfolgsmodell – und das in einem Ort, der nur knapp 500 Einwohner zählt. Bevor vor knapp sechs Jahren der Laden eröffnete, hatten Experten den Hergenfeldern prognostiziert, dass in einem so kleinen Dorf ein eigenes Geschäft nicht funktionieren kann. Aber diese Unkenrufe konnten die Verantwortlichen nicht abschrecken. Heute kommen Reisegruppen aus dem ganzen Land in das Dorf, um sich das Ladenkonzept an- und gegebenenfalls abzuschauen. Und die Hergenfelder müssen zum Einkaufen nicht mehr bis Wallhausen oder Bad Kreuznach fahren.

Ohne Ehrenamt geht es nicht

Auch für andere Gemeinden kann ein solcher Dorfladen sicher ein Gewinn sein. Doch nicht überall funktioniert die Idee. „Ganz wichtig ist es, dass man die Leute mitnimmt. Denn ohne das ehrenamtliche Engagement der Menschen geht es nicht“, sagt Ortsbürgermeister Martin Theis. Im Hergenfelder Dorfladen sind lediglich die Verkäuferinnen und Fahrer auf geringfügiger Basis beschäftigt, die restliche Arbeit wird ehrenamtlich abgedeckt. Theis betont: „Es waren auch schon Gemeinden bei uns, bei denen hat das nicht geklappt.“

Vor sechs Jahren war Hergenfeld beim Thema Dorfladen ein Vorreiter in der Region. Ein kleiner Ort, der es wagte, den Gemischtwarenladen nach 16 Jahren ohne eigene Einkaufsmöglichkeit wieder nach Hause zu holen. Zwei weitere Gemeinden aus dem Umfeld sind bislang nachgezogen. Auch in Guldental und in Seibersbach gibt es wieder eigene Dorfläden. Und allen Warnungen zum Trotz: Das Hergenfelder Geschäft trägt sich seit Anbeginn, wirft sogar Jahr für Jahr einen kleinen Gewinn ab. 2012 etwa waren es 4845 Euro bei einem Jahresumsatz von 150 107 Euro. Selbst wenn einmal schlechte Zeiten drohen sollten, sind die Hergenfelder gewappnet. In der Satzung des Dorfladen-Vereins haben sie festgeschrieben, dass Gewinne wie auch Defizite durch die Ortsgemeinde getragen werden.

„Andere Gemeinden leisten sich ein Schwimmbad, wir haben unseren Dorfladen“, sagt Theis. Er betont: „Auch die Kommunikation in so einem Dorfladen sollte man nicht unterschätzen.“ Das Dorf hat ein Wirgefühl entwickelt: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl wird gefördert“, sagt Theis. Es gibt beispielsweise Gruppen, die sich dort regelmäßig zum Frühstücken treffen. Das Dorfladen-Team organisiert auch Feiern und Veranstaltungen rund um den Laden, wie Oktoberfeste oder Mitternachtseinkäufe, die zusätzlich zur Finanzierung beitragen. Ehrenamtliche Helfer backen dafür Kuchen oder machen Salate. Außerdem gibt es die Regel: Wer das Dorfgemeinschaftshaus für Feiern mietet, muss die Getränke vom Dorfladen beziehen. Die Gemeinde betreibt das kleine Geschäft in Eigenregie. Zu diesem Zweck haben die Verantwortlichen einen wirtschaftlichen Verein gegründet, deren Vorsitzender Ortsbürgermeister Theis ist. Auch die Lage im Ort ist durchdacht. Gleich gegenüber befindet sich das Dorfhaus, nebenan ist ein Spielplatz. „Während die Kinder spielen, sitzen die Mütter draußen vor dem Laden und trinken Kaffee“, sagt Theis.

Verstärkt Produkte aus der Region

Bei den Preisen achten die Verantwortlichen darauf, dass sie mit anderen Supermärkten aus der Region mithalten können. Wir wollen den Leuten die Ausrede nicht zugestehen, dass der Dorfladen zu teuer ist“, sagt Theis. Und so wälzt das Dorfladen-Team am Wochenende Prospekte und kauft gern auch mal einen ganzen Kofferraum voll Nutella-Gläser, wenn es die zu einem günstigen Preis im Großhandel gibt. Zudem achten die Verantwortlichen darauf, verstärkt Produkte aus der Region anzubieten: etwa Wein von hiesigen Winzern, Mehl und Müsli aus der Windesheimer Mühle oder Käse aus Dörrebach.

Was am Ende alle überrascht hat: Die jungen Hergenfelder kaufen heute im Dorfladen sogar noch mehr ein als die Senioren, die man oft als Erstes mit einem solchen Geschäft in Verbindung bringt. „Am Anfang hatten wir gedacht, wir machen den Laden für die ältere Generation“, sagt Theis.

Doch dann stellten die Verantwortlichen fest, dass auch viele Kinder den Laden betreten. „Ich kenne das selbst noch von früher“, sagt Theis. Vor 20 Jahren war in Hergenfeld der letzte Dorfladen. „Da hat man als Kind auch mal Süßigkeiten geholt.“

Was den Charme für die Hergenfelder außerdem ausmacht: Wer sonntags Brötchen bestellt hat und bis 9 Uhr noch nicht in die Gänge kommt, kann die Brötchentüte mit Namenszettel versehen vor der Dorfladentür abholen.

Dörflicher Charakter prägt

Dann fällt aber auch auf, wer samstags lang gefeiert hat, wenn jemand richtig spät dran ist, erzählt Ortsbürgermeister Theis und lacht. Ein Dorf bleibt eben ein Dorf.

Foto und Text: Denise Bergfeld, Oeffentlicher Anzeiger 15. Oktober 2013
Ortsbürgermeister Martin Theis ist stolz auf den Dorfladen in Hergenfeld, der sich trotz aller Unkenrufe trägt und sogar einen kleinen Gewinn abwirft. Mit diesem Konzept ist die Gemeinde Vorbild für viele andere kleine Orte in Rheinland-Pfalz.


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