Eremitage "Einzell"

   

Zwischen Schöneberg und Spabrücken liegt unmittelbar neben der Landstraße mit einem einfachen Holzschild gekennzeichnet die Zufahrt zur Eremitage. Auf einer Lichtung inmitten eines Tannenwäldchens steht eine kleine Kapelle, daneben ein großes, reichverziertes Holzkreuz. Die Kapelle erinnert an den letzten Eremit, der hier sein Leben für die Pestkranken aufopferte.

An der Tür der Kapelle begrüßt uns folgende Inschrift:

„Lieber Pilgerer, Lieber Wanderer, wir stehen hier auf einem Einsamen, einem Heiligen, einem Ehrfürchtigen Platz, wo im Jahre 1620, in jener fürchterlichen Pestzeit des Dreißigjährigen Krieges, der letzte Eremit sein Leben für die Pestkranken aufgeopfert hat. Täglich zog er mit einem Krug gefüllt mit Ziegenmilch in die Dörfer, um seine Pestkranken zu pflegen, denen er bald danach im Tode folgte. Als Zeichen dieser schrecklichen Zeit, als die Hälfte der Menschen von Spabrücken und Schöneberg ausgestorben war, hat uns dieser heilige mäßige Mann dieses von eigener Hand geschnitzte Kreuz hinterlassen, genannt das Pestkreuz. Das Mutter Gottes Kapellchen wurde auf den Grundmauern dieses Einsiedlers aufgebaut. Mit Ehrfurcht verneigen wir uns vor dieser Heiligen Stätte, wir verneigen uns unseren Vorfahren, die diese schwere Zeit in ständiger Hungersnot, in Kriegszeiten, verbunden mit diesen fürchterlichen Krankheiten und frühem Tod durchstehen mussten. Sie sollen stets unser aller Vorbild sein. Pilger, verweile ein paar Augenblicke, um in Gedanken an diese Stätte unser kurzes irdisches Dasein mit unseren Sorgen und Nöten zu bedenken."

Gleich nebenan findet sich ein Kreuzweg, der die Leidensstationen von Jesus Christus darstellt. An vierzehn schön gestalteten Holzkreuzen, auf denen sich meist eine plastische Darstellung der jeweiligen Kreuzwegstation befindet, darf man innehalten und sich Zeit fürs Gebet nehmen.

Im Jahr 1992 haben unbekannte Täter versucht, die Marienkapelle in Brand zu setzen. In der ständig unverschlossenen Kapelle, die oft zu einem stillen Gebet aufgesucht wird, wurde Treibstoff auf dem Boden gegossen und angezündet. Glücklicherweise erlosch das Feuer von selbst, somit entstand nur Schaden an der Altardecke und an den Wänden. Die "Huber Madonna" blieb wie durch ein Wunder unversehrt. Durch aufwendige Renovierungs- und Sanierungsarbeiten konnte die kleine Waldkapelle drei Jahre später wieder geöffnet werden.

Das Kapellchen wird von vielen Wanderern und Pilgern besucht, leidet somit auch oft unter Verunreinigungen. Bereits in dritter Generation wird die kleine Kapelle und der Platz mit dem Pestkreuz von Familie Wilhelm gepflegt, seit insgesamt mehr als 100 Jahren kümmern sie sich mit viel Liebe und zum Wohl der Allgemeinheit um die Marienkapelle.

 

 

 

Madonna

Die original Mutter Gottes Statue, die "Huber Madonna", ein wahrlich besonderes Schmuckstück, stammte aus dem 18. Jahrhundert und zeigte Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit war sie bei Pilgern und auch Einheimischen immer sehr beliebt. 

Auch Diebe fanden Gefallen an ihr. In der Nacht zum Palmsonntag 1980 wurde die Madonna Statue aus der Kapelle heraus gestohlen, konnte aber acht Tage später von der Kripo in Cochem wieder sichergestellt werden. Weniger gut ging der Diebstahl 2005 aus, als die Statue wieder von unbekannten Tätern gestohlen wurde. Leider konnte sie dieses Mal nicht wieder gefunden werden. Seit 2006 steht nun die Madonna der „Nächsten-Liebe" (Solidarität) in der kleinen Kapelle.

Pestkreuz

Das Pestkreuz, ein Mahnmal und Zeichen aus einer schrecklichen Zeit, nämlich des Dreißigjährigen Krieges und der damals wütenden Pest, die die Mehrheit der Dorfbewohner dahingerafft hat. 

Das original Gedenkkreuz stammte aus dem Jahr 1842. Leider war es 2004 bereits so stark beschädigt, dass eine Restaurierung nicht mehr möglich war. Das neue Kreuz wurde aus jahrhundertealten Eichenbalken nach dem historischen Vorbild gefertigt und 2005 neben der Kapelle errichtet.

 

Auszug Urkunde von 1850

„Die Einzell" - eine zerfallene Einsiedelei

"Auf dem Wege nach Spabrücken sieht man hart am Walde von hohen Fichten umgeben eine kleine Kapelle. Dieselbe ist neu restauriert und wird „Einzell" genannt. Sie liegt in hiesiger Gemarkung. Diesseits des Weges ist jetzt der Wald ausgerodet, sodaß sie früher mitten im Walde lag. Neben der Kapelle sieht man die Mauerreste von früheren Gebäulichkeiten, die in einer Küche und einem Schlafzimmer bestanden. Man behauptet mit Bestimmtheit, daß hier ein Einsiedler gewohnt hat. Auch Gartenanlagen, die noch von hohen Hecken umzäunt und jetzt in schöne Wiesen umgewandelt sind, sind noch zu sehen. Das Kapellchen wird viel von Wallfahrern aufgesucht. Eine Statue in derselben, die Mutter Gottes mit dem Jesukind darstellend, muß schon sehr alt sein. Vor der Kapelle steht ein kunstvoll geschnitztes Kreuz. Nachstehende Abbildung soll dieses Kreuz darstellen."

 

Routenplaner 

 Wenn Sie demnächst für einen Spaziergang in den Soonwald aufbrechen, nehmen Sie sich doch die Zeit und schauen in der kleinen, idyllisch gelegenen Kapelle vorbei.

 

 

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